Solaranlagen: Gefahr für die Feuerwehr

F. Gopp / pixelio.deWenn ein Haus mit einer Fotovoltaikanlage brennt, dann können sowohl die Anlage als auch die Stromkabel für die Bewohner und für Feuerwehrleute zu einer tödlichen Gefahr werden.
 

Es handelt sich dabei um ein ständig wachsendes Problem, denn die Zahl der installierten Anlagen steigt rasant an.

Bis zu 400 Volt liefern die zusammengeschalteten Module als Gleichstrom. Bei einem Brand können die Leitungen dann plötzlich frei liegen, und schon 120 Volt gelten als lebensgefährlich. Manche Freiwillige Feuerwehren seien deswegen inzwischen dazu übergegangen „solche Dächer kontrolliert abbrennen zu lassen“, so Professor Bernd-Jürgen Vorath, wissenschaftlicher Beirat des Verbandes Privater Bauherren. Dies war zum Beispiel so bei einem Brand im ostfriesischen Schwerinsdorf im Februar diesen Jahres. Als dort ein Haus mit einer Fotovoltaikanlage in Flammen stand, entschied der Einsatzleiter, nicht von innen zu löschen: „Das Risiko, einen elektrischen Schlag zu bekommen, war einfach zu groß.“

Ob diese Entscheidung richtig war, ist im Nachhinein viel diskutiert worden. Aber dass die Gefahr real ist, zeigt ein weiterer Fall eines Brandes, diesmal im nordrhein-westfälischen Rösrath. Bei einem Löschversuch erlitt ein Feuerwehrmann schwere Verletzungen durch einen Stromschlag durch eine Fotovoltaikanlage.

Anlagen lassen sich nicht abschalten

Neuere Anlagen müssen zwar mit einer Gleichstrom-Freischaltstelle (DC-Schalter) vor dem Wechselrichter ausgestattet sein (VDE 0100-7-712). Der Wechselrichter, der den Gleichstrom der Anlage in Wechselstrom umwandelt, ist aber häufig im Keller installiert und der DC-Schalter darin integriert. Auch nach dem Ausschalten stehen die Module und die Leitungen (Strings) bis zum DC-Schalter noch unter Strom. Bei Anlagen, die vor 2006 gebaut wurden, gibt es häufig nicht einmal den DC-Ausschalter vor den Wechselrichtern. Und wo genau die Strings im oder am Haus verlaufen, ist oft schwer zu sagen, denn verbindliche Regeln dafür gibt es nicht.

Besonders groß ist die Gefahr für die Feuerwehr, einen Stromschlag zu bekommen auch in überschwemmten Kellern, in denen sich ein Wechselrichter befindet. Das sollte bei der Planung einer Solaranlage bedacht werden.

Mehr Sicherheit für die Feuerwehr

Zunächst einmal sollte die Feuerwehr bei einem Brandfall so schnell wie möglich erfahren, dass die Solaranlage auf dem Dach vermutlich noch Strom produziert. Die Berufsfeuerwehr München, die sich schon seit Jahren mit diesem Problem beschäftigt, empfiehlt ein Hinweisschild, das an den Verteiler-, Schalt- und Zählerkästen angebracht werden soll.

Der Bundesverband Solarwirtschaft hat eine Expertenkommission gebildet, die sich mit dem Thema beschäftigt. Im September hat diese Kommission ein Merkblatt für Feuerwehrleute herausgegeben, in dem gezeigt wird, wie man sich bei einem Brand eines Hauses verhalten soll, auf dem eine Fotovoltaikanlage montiert ist. In den kommenden Wochen soll zusätzlich eine Broschüre zu dem Thema erscheinen.

Thomas Penningh vom Verband Privater Bauherren empfiehlt, die Module mit einem Abstand von jeweils 15 Zentimetern zu montieren. „Dadurch bleibt die Dachfläche partiell offen und die Feuerwehr kann zwischen den Modulen an den Brandherd heran.“ Diese Brandschneisen werden aber so gut wie nie gebaut, denn sie kosten Geld. Zum einen passen weniger Module auf das Dach. Das allein schmälert die Rendite, weil nicht der volle Platz ausgenutzt wird. Außerdem müssen mehr Halterungen montiert werden. Das zusätzliche Material und die Arbeitsleistung verursachen noch einmal Kosten. Und auch die Berufsfeuerwehr München meint, dass auf dem Dach „Flächen für die Einsatzkräfte“ hilfreich seien.

Experten diskutieren auch darüber, ob eine feuerfeste Sicherung der Strings ein Weg wäre, die Feuerwehr zu schützen. Ein Weg wäre zum Beispiel die Verlegung der Leitungen nicht im, sondern am Haus.

Lasttrennschalter

Seit Sommer diesen Jahres sind sogenannte Lasttrennschalter auf dem Markt. Im WDR-TV-Beitrag wurden Produkte der Firmen Eaton und Solteq gezeigt. Auch andere Firmen haben derartige oder ähnliche Geräte entwickelt oder entwickeln sie zurzeit (z.B. von den Firmen Santon, BBC, Dehn + Söhne, Tigo energy und Kaco).

Solche Lasttrennschalter funktionieren oft ähnlich: An den Modulen wird ein Unterbrechungsrelais angebracht und über eine Zusatzleitung mit einem Ausschalter verbunden. Wenn es brennt, kann der Besitzer oder die Feuerwehr die Anlage mit einem Knopfdruck abstellen. Damit sind dann alle Strings stromlos. Und die neuen Sicherungssysteme sollen die Solaranlage auch dann abschalten, wenn die Stromverbindung vom Haus nach draußen gekappt wird.

Eine weitere Lösung hat der Ingenieur Bernd Willer entwickelt, ein Keramikzylinder mit innenliegender Feder. Durch extreme Hitze im Brandfall schmelzen eingefügte Sicherungsstifte, und eine sich dadurch entspannende Feder trennt die Solar-Steckverbindung. Der Zylinder kann auch einfach durch eine Axt oder einen Hammer von der Feuerwehr zerschlagen werden. Auch dann wird der Kontakt unterbrochen, und die Strings führen keinen Strom mehr.

Quelle: WDR, Sonntag, den 10.10.2010 um 16:30 Uhr im Ersten
von Dieter Schug und Monika Geisler

Warnschild als Hinweis für die
Feuerwehr zum Ausdrucken
(PDF-Datei, 35 KB)

Quelle: Berufsfeuerwehr München

 

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