Um den Nachwuchs stets bemüht

50-jähriges Jubiläum der JF UmstadtEin ereignisreiches und spannendes Jahr mit einem ganzen Reigen von Veranstaltungen wartet auf die Jugendfeuerwehr Groß-Umstadt/ Mitte, die 2012 ihr 50-jähriges Jubiläum feiert.
 

Aus diesem Anlass werden das ganze Jahr über diverse Aktionen und Aktivitäten mit den Jugendlichen gemeinsam durchgeführt.

Den Auftakt bildet ein akademischer Abend am Samstag, 12. Mai, im Forum S der Sparkasse, wo in festlichem Rahmen das Jubiläumsjahr begonnen werden soll. Im Beisein vieler Ehrengäste und Vertreter aus Politik und Feuerwehr, vor allem auch der Eltern, will man die vergangenen 50 Jahre Revue passieren lassen.

Weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr soll das Pfingstwochenende werden, wo die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Betreuern ein unvergessliches Zeltlager am Edersee erleben wollen. Mit einem Sommerfest am 18. August möchte man sich dann bei allen Helfern und Unterstützern bedanken. Sowohl beim Umstädter Bauernmarkt als auch beim traditionellen Oktoberfest der Feuerwehr möchte die Jugendfeuerwehr schließlich die Gelegenheit nutzen, sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Ein Blick in die Chronik zeigt, vor 50 Jahren hatte sich der Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Groß-Umstadt bereits des längeren mit dem Thema Nachwuchs befasst. So wurde am 12. Mai 1962 die erste Schülerfeuerwehr gegründet und „nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte mit der Ausbildung begonnen werden“. Wie auch in anderen Städten und Gemeinden wollte man auf diese Weise rechtzeitig der Sorge um den Nachwuchs begegnen, hieß es in einem Artikel des Odenwälder Boten vom Oktober 1962. Die ersten Ausbilder der Schülerfeuerwehr waren Günter Forschler und Benno Ackermann. In einer der ersten Unterrichtsstunden hörten die jungen Männer vom damaligen Ortsbrandmeister Wilfried Köbler einen Vortrag über die Aufgaben der Feuerwehr und die Grundsätze der Brandbekämpfung.

Ein Jahr nach der Gründung verfügte die dann so genannte Jugendfeuerwehr nicht nur über die stolze Zahl von 20 Mitgliedern, sondern auch üb50-jähriges Jubiläum der JF Umstadter einen beachtlichen Ausbildungsstand. Die Feuerwehr bezeichnete dies als sicheres Standbein für die Einsatzabteilung und war froh, keinerlei Nachwuchssorgen zu haben. In einem Aufruf vom Dezember 1963 hieß es, dass die Mitglieder der Jugendfeuerwehr älteren Menschen bei schwierigen Arbeiten helfen wollen. Wer damals diese Hilfe in Anspruch nehmen wollte, sollte sich bei der Stadtverwaltung melden. Dies betraf sowohl „Arbeiten, die dem betreffenden Personenkreis Schwierigkeiten bereiten“ als auch das Erledigen von Besorgungen.

Im Dezember 1964, zwei Jahre nach der Gründung, bestand die unter Leitung von Karl Lutz stehende Jugendfeuerwehr mittlerweile aus 30 Jugendlichen, mit einem Ausbildungsstand, an den bei der Gründung laut Kreisbrandinspektor Köbler nicht zu denken gewesen war. In der Folge erzählt die Chronik von Zeltlagern in Groß-Umstadt oder an auswärtigen Zielen und vielen weiteren gemeinsamen Fahrten. Es standen Bezirksveranstaltungen des Bezirks II an, erstmals 1974 noch im Altkreis Dieburg. Detailliert wird von Bastelwettbewerben wie auch von sportlichen Wettkämpfen berichtet, von Kreisjugendfeuerwehrtagen sowie dem Ablegen der Leistungsspange von Jugendlichen in der Vergangenheit.

Auch heutzutage nimmt die feuerwehrtechnische Ausbildung einen großen Raum ein bei den wöchentlichen Übungsabenden mittwochs ab 18 Uhr. „Wir bilden die Jugendlichen an den Gerätschaften der Feuerwehr aus, unternehmen aber auch feuerwehrfremde Aktivitäten, zum Beispiel Spiele- und Videoabende, Eisessen, Jugendfreizeiten, Zeltfreizeiten und Sport“, erläutert Jugendgruppenleiter Jan Duschek. Das Verhältnis zwischen allgemeiner Jugendarbeit und feuerwehrtechnischer Ausbildung versuche man ausgewogen zu gestalten. Duschek ist einer von drei Jugendgruppenleitern. Neben ihm engagieren sich Uwe Meitzler und Karsten Scharkopf für den Nachwuchs. Doch damit nicht genug: Insgesamt neun Betreuer helfen nach Kräften und voller Spaß an den Mittwochabenden mit, die Gruppe auszubilden. „Diese große Anzahl kommt daher, dass im letzten Jahr fünf Jugendliche aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung übernommen wurden, die jetzt als Betreuer mitarbeiten möchten“, erklärt Jan Duschek.

Aktuell hat die Jugendfeuerwehr 18 Mitglieder zwischen zehn und 17 Jahren, „eine durchaus vorzeigbare durchschnittliche Anwesenheit von etwa 16 Jugendlichen pro Übungsabend.“ Im Schnitt liegt das Alter momentan bei 13 Jahren. Seit zehn Jahren ist der 2010 gewählte  Jugendfeuerwehrwart Carlos Pereira Mendes bei der Jugendfeuerwehr. „Es macht mir sehr viel Spaß. Die Vorbereitung ist aber auch sehr anspruchsvoll, teilweise sogar ziemlich stressig“, beschreibt der 26jährige sein Amt. Bei zuviel Bürokratie im Hintergrund könne fast die eigentliche Jugendarbeit flöten gehen. Doch die kommt nie zu kurz. Und: „Zum Glück habe ich ein so gutes Team. Wenn ich das nicht hätte, wäre das alles nicht machbar“, weiß der Jugendfeuerwehrwart.

Die Förderung der Jugendfeuerwehr liegt Mendes sehr am Herzen. Da er sich beruflich neu orientiert und eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert, wird er sein Amt nach Ablauf der offiziellen Zeit, also in drei Jahren, nicht mehr weiter führen können. Als Betreuer aber will er auf jeden Fall weiterhin dabei sein. Bisherige Jugendfeuerwehrwarte waren nach den bereits Erwähnten ab 1971 Helmut Paßler, Rolf Schmidt, Rudolf Neutzner, Dieter Vonderheid, Jürgen Scharkopf, Rolf Schmidt, Holger Wirrmann, Holger Zieres, Silke Melchior, Lutz Muntermann, Sven Weyrauch, Philipp Ohl,  Florian Gebhard und Dennis Dörfel.

Einer der größten Erfolge der Jugendfeuerwehr Groß-Umstadt war der Gewinn der Kreismeisterschaft 1977 und die damit verbundene Fahrt zur Teilnahme am Landesentscheid. Gute Plätze belegte man auch immer wieder bei Turnieren und Suchfahrten, wie die Chronik ausführlich wiedergibt.

1973 feierte die Wehr ihr hundertjähriges Bestehen mit einem umfangreichen Programm. Dabei wurde der Bevölkerung nicht nur Unterhaltung geboten, sondern auch bei Übungen die Schlagkraft der Wehr unter Beweis gestellt, wie es in der Berichterstattung heißt. „Auch die Jugendfeuerwehr ging damals schon sehr selbstbewusst zu Werk und ließ erkennen, dass es der Wehr um ihre weitere Zukunft nicht bange zu sein braucht“, so schrieb der Odenwälder Bote. Am 8. September 1979 fanden in Groß-Umstadt die 21. Landesfeuerwehrwettkämpfe und die 10. Landesjugendfeuerwehrwettkämpfe statt. Bei der Jahreshauptversammlung im Dezember 1979 wurde Martina Palm zur ersten Gruppenführerin in der Geschichte gewählt.

Ihr 20jähriges Bestehen feierte die Jugendfeuerwehr Groß-Umstadt am 21. Mai 1982 unter der Leitung von Jürgen Scharkopf. In den Jahren 1984 und 1985 wurde ein Arbeitskreis Öffentlichkeit gebildet und intensiv Werbung betrieben. Dazu erstellte man auch einen Werbeflyer. In diesem Zusammenhang wurden bereits Mädchen angesprochen und auch Jugendfeuerwehr-Infos an den Schulen ausgehängt. Zudem wurde „Hydranti“ aus der Taufe gehoben, das Symbol der Jugendfeuerwehr, das anlässlich des 50. Jubiläums neu gestaltet und etwas zeitgemäßer gezeichnet wurde.

1986 fanden in Groß-Umstadt die Landesjugendfeuerwehrwettkämpfe statt, 1989 konnte eine reine Mädchenmannschaft am Landesentscheid in Witzenhausen teilnehmen. Mädchen sind derzeit nur drei bei der Jugendfeuerwehr aktiv. Ariane (15 Jahre) ist vor drei Jahren durch ihre damalige beste Freundin zur Gruppe gestoßen. Am liebsten sind ihr die „Nassübungen“,
wenn ein Einsatz geübt wird und viel praktisches Wissen gefordert ist. Leuten zu helfen, das scheint ihr sinnvoll. „Man weiß dann besser, wie man reagieren soll, wenn’s irgendwo brennt“, fügt Freundin Anke noch hinzu und Imke wirft das Stichwort Teamwork ein. „Ich denke schon, dass ich noch länger dabei bleiben werde“, verrät sie, „ich werde nämlich nächstes Jahr mit 17 übernommen, dann mach ich sowieso weiter“.

Zum 30jährigen Jubiläum 1992 plante die Jugendfeuerwehr verschiedene Veranstaltungen wie Zeltlager, Ski-Freizeit und vieles mehr. Vor der großen Feierstunde am 13. Mai gab es noch eine Große Bezirksübung. Verschiedene Schauübungen gemeinsam mit der Einsatzabteilung folgten zum 40jährigen Jubiläum 2001/2002.

Fabian Knappe und Nico Hillerich, beide 12 Jahre alt, gefällt es sehr gut bei der Feuerwehr: „Wir machen auch mal Späße und so, haben Übungen und alles, das macht eben einfach Spaß“, erklärt Nico, der als weiteres Hobby Traktorfahren angibt. „Man lernt hier auch viel, über Schläuche und alles“. Auf dem Stundenplan stehen regelmäßig neben der Theorie praktische Themen wie Saugschlauchkuppeln oder Fahrzeugkunde, auch Tragbare Leitern, Knoten und Stiche oder Retten aus Gruben und Schächten. Am allermeisten Spaß macht Fabian allerdings das ziemlich anspruchsvolle Funken und „mit der Drehleiter fahren“. Wie Nico auch will er später vielleicht mal Berufsfeuerwehrmann werden, „am liebsten bei der Flughafenfeuerwehr“.

                                                          
Quelle Text & Fotos: Dorothee Dorschel

 

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