Flammschutzkleidung wird Kulttasche

Feuerwehr NomexWie so oft im Leben genügt ein Anruf, um etwas Neues und Gutes auf den Weg zu bringen:

So meldete sich vor ca. vier Wochen Jürgen Hild von der Integra GmbH, Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Arbeit mit Sitz in Erbach beim Groß-Umstädter Stadtbrandinspektor Stephan Teich mit der Frage, ob die Umstädter Feuerwehren ihre ausgediente Nomex-Kleidung - das sind Spezialanzüge für Brandeinsätze - zur Weiterverarbeitung abgeben würden, statt sie in den Müll zu werfen.

Schnell war ein Treffen vereinbart und die Zusage erteilt. Darüber freuten sich am Mittwoch, den 26. August am Stützpunkt der Umstädter Wehr: Jürgen Hild und Yvonne Schnellbacher mit einer Kulttasche aus echtem „Heldenstoff“ und Stadtbrandinspektor Stephan Teich mit einer Jacke vor der Verwandlung.

Herr Hild ist selber Feuerwehrmann, war in Höchst 16 Jahre 1. Vorsitzender und ist beruflich seit 2014 bei der Integra für Produktionsplanung & Vertrieb zuständig. Daher der Kontakt und das Wissen um die Möglichkeit, aus den ausrangierten Anzügen kultige Dinge herzustellen. Im Rahmen des sogenannten Up-cyclings hat er schon andere Wehren im Umkreis von seiner Idee überzeugen können. Was keinem schwer fiel, denn Integra beschäftigt rund 300 Menschen mit Behinderung oder seelischer Erkrankung (www.integra-home.de).

„Wir erleben es so oft, dass unsere Leute sehr stolz sind, wenn ihre Produkte nachgefragt werden. Das ist die schönste Anerkennung, die sie erfahren können,“ berichtete Hild, und der SBI ergänzte: „Umso schöner, dass wir doppelt helfen können: den Menschen von Integra und den Käufern der schönen Dinge wie Taschen, Schlüsselanhänger und demnächst auch SOS-Gürteltaschen. Hinzu kommt, dass die Stadt Groß-Umstadt die Entsorgungskosten spart.“

Die Nomex-Flammschutzkleidung besteht aus einem aufwändig komponierten Stoffmix, der atmungsaktiv aber schwer entflammbar ist und nur von jenen Feuerwehrleuten getragen wird, die ganz nah dran müssen an einen Brandherd, etwa um mit Atemschutzgerät Räume zu durchsuchen. Die Anzüge haben von Herstellerseite ein „Verfallsdatum“, werden aber bei Übungen und mitunter als Arbeitsjacke noch so lange genutzt, bis sie tatsächlich aufgetragen sind. Am Ende werden von den Umstädter Wehren schätzungsweise 10 bis 15 Anzüge pro Jahr ausrangiert.

Die Integra GmbH bietet an mehreren Standorten im Odenwald unterschiedlichste Dienste für Menschen mit Behinderung in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit an. Neben der Herstellung von Eigenprodukte wie z.B. der Kulttasche aus „Heldenstoff“ ist die Integra mit ihren vier Tochterunternehmen auch in den Arbeitsfeldern Metall- und Kunststoffbearbeitung, Landschaftspflege, Wäscherei, Gebäudereinigung, Lebensmitteleinzelhandel, Catering, … sowie im Bereich Bildung und der Re-Integration von benachteiligten Menschen auf den Arbeitsmarkt tätig.

Quelle Foto & Text: Stadt Groß-Umstadt