Kreisübergreifende Gemeinschaftsübung

Gefahrgutübung HöchstFreitagabend, 23. Mai 2014: Kurz nach 19:30 Uhr startet die Gefahrgutkomponente der Stützpunktfeuerwehr Groß-Umstadt/Mitte in Richtung Süden. Über die B45 geht es in den benachbarten Odenwaldkreis.

Der Zug aus Einsatzleitwagen, Erkundungskraftwagen, Hilfeleistungslöschfahrzeug und Gerätewagen Gefahrgut ist auf dem Weg zur jährlichen Gemeinschaftsübung mit der Feuerwehr Höchst im Odenwald.

Auf dem Rondell angekommen stehen die beiden Stützpunktfeuerwehren mit ihren Gefahrgutkomponenten vor einem anspruchsvollen Szenario. Auf der Straße von Höchst nach Hetschbach, vorbei am Höchster Schwimmbad, ist ein mit Gefahrgut beladener LKW mit einem Transporter eines Logistikdienstleisters zusammengestoßen. Hierbei wurde die Außenhülle des Gefahrguttanks beschädigt und es tritt eine farblose Flüssigkeit in großen Mengen aus. Ob noch Personen in den beiden Fahrzeugen eingeschlossen sind ist zu diesem Zeitpunkt völlig unklar.

Blitzschnell nach der Ankunft entscheidet sich der Einsatzleiter die umfangreiche Einsatzstelle in zwei Abschnitte aufzuteilen. Die Feuerwehr Höchst übernimmt mit ihren Kräften den Angriff aus südlicher Richtung, während sich die Groß-Umstädter Kräfte aus dem Norden kommend vorarbeiten.

Hektisches Treiben ist im Folgenden von den Zuschauern auf beiden Seiten zu beobachten. Feuerwehrleute laufen angespannt an der Absperrgrenze auf und ab und versuchen Informationen über die Art und Menge des austretenden Stoffes zu erhalten. Schnell ist daraufhin in Folge der Erkundung klar – es handelt sich um Salzsäure.

Dann hallen klare Kommandos durch die einsetzende Dunkelheit der Nacht. Atemschutzgeräteträger eilen zum Gerätewagen Gefahrgut und werden in weiße Ganzkörperanzüge verpackt. Diese sogenannten Chemiekalienschutzanzüge schützen die Einsatzkräfte vor der austretenden Salzsäure und lassen sie wie Michelin-Männchen erscheinen. Das Sichtfeld und der Bewegungsradius der Einsatzkräfte wird durch die Verwendung dieser Anzüge erheblich eingeschränkt – doch für den Schutz der Kräfte vor der aggressiven Säure nimmt man dies billigend in Kauf. Unterdessen werden Schläuche vom Hilfeleistungslöschfahrzeug in Richtung Absperrgrenze ausgerollt. Aus dem Strahlrohr strömen nun 130 Liter Wasser pro Minute. Mit dem feinen Wassernebel sollen die auftretenden Dämpfe bewusst niedergeschlagen und somit eine weitere Ausbreitung verhindert werden.

Parallel dazu beginnt die Fachgruppe Erkundung mit umfassenden Messungen um die Gefährdung für die Bevölkerung beurteilen zu können. In Kooperation mit dem Messteam aus Breuberg-Sandbach werden Proben genommen. Auf Grundlage von Prognoseprogrammen und den aktuellen Wetterdaten wird eine Ausbreitungsprognose erstellt. Anhand dieser Informationen ist der Einsatzleiter in der Lage eventuelle Evakuierungen in angrenzenden, gefährdeten Bereichen anzuordnen.

Binnen Minuten arbeiten sämtliche Einsatzkräfte an ihren Aufgaben. So dauert es auch nicht lange, bis der erste Trupp der Feuerwehr Höchst zur Erkundung in die Unfallstelle vorgehen kann. Nach der Entwarnung, dass in dem Bereich alle verletzten Personen gerettet werden konnten, macht sich Erleichterung breit.

Nun rücken für den Zugführer Groß-Umstadt neue Prioritäten an die oberen Stellen. Es gilt einen weiteren Austritt der Salzsäure zu verhindern. Darüber hinaus muss zwingend der Einfluss der bereits ausgetretenen Flüssigkeit in die Kanalisation verhindert werden. Um dies zu erreichen werden zwei Trupps in Chemiekalienschutzanzügen zum Unglücksfahrzeug entsandt. Mit Hilfe der auf dem Gerätewagen Gefahrgut verladenen Spezialausrüstungsgegenstände gelingt es den eingesetzten Trupps unter schwerster körperlicher Anstrengung, den beschädigten Kesselwagen notdürftig zu verschließen und somit ein weiteres Austreten zu verhindern. Parallel dazu arbeiten die Odenwälder Kräfte an der Gefahrenbeseitigung am Kleintransporter.

Gegen 21:30 Uhr kann Entwarnung für die Bevölkerung gegeben werden. Alle Einsatzaufträge sind abgearbeitet und es besteht keine weitere Gefahr. Die Zugführer der Stützpunktfeuerwehren Höchst und Groß-Umstadt/Mitte sowie der Gesamteinsatzleiter sind sichtlich mit der Leistung ihrer Mannschaften zufrieden.

Abermals konnte die kreisübergreifende Zusammenarbeit vertieft und die seit Jahren bestehende Feuerwehrfreundschaft aktiv gepflegt werden. In diesem Zusammenhang möchte sich die Freiwillige Feuerwehr Groß-Umstadt/Mitte nochmals für die gute Bewirtung und die Einweisung auf das neueste Höchster Feuerwehrauto im Anschluss an die Übung bedanken. Gerne revanchieren wir uns im nächsten Jahr mit einer großen Portion Nudeln mit „Haschee“.

 

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