Gefahrgutübung auf Landkreisebene am 17.10.2009

Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es am heutigen frühen Samstagmorgen gegen 7:30 Uhr in der Otto-Hahn-Straße in Groß-Umstadt.

Ein Tanklastzug stieß mit einem mit vier Personen besetzten Pkw zusammen.

Aufgrund des Zusammenpralls wurde der Gefahrguttransporter im Heckbereich aufgerissen. Dabei kam es zur Freisetzung des Stoffes Acrolein. Dieser Stoff wirkt stark ätzend auf Schleimhäute, hat eine Reizwirkung auf die Atemwege und wird als giftig eingestuft. Bei Berührung mit Wasser bilden sich giftige und ätzende Dämpfe, die explosionsgefährlich sind.

Nachdem erste Erkundungen durchgeführt wurden, wurde eine Absperrgrenze von 100m festgelegt. Alle in diesem Absperrbereich befindlichen Gebäude wurden sicherheitshalber geräumt.
 
Aufgrund der Komplexität der Lage wurden zunächst Gefahrstoffmessungen vorgenommen, um geeignete Einsatzmaterialien für die Rettung zu bestimmen. Nachdem diese Maßnahmen abgeschlossen waren, konnten die vier im Pkw eingeklemmten Personen aus ihrer Zwangslage befreit werden. Hierzu wurde hydraulisches Rettungsgerät mit vier Atemschutztrupps unter Chemikalienschutzanzügen eingesetzt. Die aus dem Pkw befreiten Personen sowie die beiden Fahrer des Tanklastzuges werden durch den Rettungsdienst und den Notarzt betreut.

Vor Ort wurde eine Verletztensammelstelle eingerichtet. Diese dient dazu, die Verletzungen zu sichten. Hierzu wurden der Rettungsdienst und der Notarzt und der leitende Notarzt eingesetzt. Die Verteilung der Verletzten auf umliegende Krankenhäuser wurde durch den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst vorgenommen.

Erstmaßnahmen zur Abdichtung des Lecks am Tanklastzug sowie zum Auffangen des auslaufenden Gefahrstoffs (Acrolein) wurden eingeleitet. Hierzu wurden unter anderem Absperrschieber am Leck angebracht sowie auslaufende Flüssigkeiten in einem Fass gesammelt. Um das Eindringen in die Kanalisation zu verhindern, wurden die Gullyeinläufe mit Dichtkissen abgedichtet.

Durch mehrere Explosionen an der Einsatzstelle während der Rettungsmaßnahmen wurde eine Schadstoffwolke freigesetzt. Windbegünstigt zog diese über die Stadt Groß-Umstadt in Richtung Schwimmbad. Eine Gruppe von 25 Joggern atmete giftige Dämpfe ein und konnte sich über Notruf bemerkbar machen.

Von der Einsatzleitung wurde daraufhin ein Sanitätszug mit Notarzt zum Schwimmbad beordert. Weiterhin wurden von drei Fahrzeugen Schadstoffmessungen in der Umgebung vorgenommen. Alle Messungen außer am Schwimmbad waren im unkritischen Bereich.

155 Kräfte aus Feuerwehr und Rettungsdienst wurden von Einsatzleiter Claus Franz koordiniert. Auch Bürgermeister Joachim Ruppert und Stadtbrandinspektor Holger Zieres machten sich vor Ort ein Bild der Lage.

Eingesetzt waren Kräfte von Feuerwehren aus Groß-Umstadt, Klein-Umstadt, Kleestadt und Richen, Messtrupps aus Gräfenhausen und Jugenheim, der GABC-Zug Groß-Umstadt, fünf Kräfte der Werkfeuerwehr Merck sowie der Einsatzleitwagen 2 aus Pfungstadt. Die Kräfte des Rettungsdienstes wurden aus Groß-Umstadt, Dorndiel, Dieburg und Münster an die Einsatzstelle beordert. Zur realitätsnahen Darstellung des Übungsablaufs waren 25 Statisten und zwei Pyrotechniker eingesetzt.

Zusätzlich zu diesem praktischen Teil wurden drei theoretische Übungsteile mit abgewickelt. Die Gesamtübung diente dazu, das Zusammenspiel zwischen Verwaltung und den verschiedenen Fachdiensten zu erproben und zu verbessern.

Der theoretische Teil begann mit einem Zugunglück um 5:15 Uhr auf der Strecke der Odenwaldbahn im Bereich Otzberg. Im Zusammenhang mit dem Schadensereignis in Groß-Umstadt und einer dadurch möglichen Verunreinigung des Trinkwassers im Bereich Groß-Umstadt/Otzberg wurde durch den Landrat der Katastrophenfall festgestellt. Weiterhin ereignete sich gegen 10:06 Uhr ein schwerer Verkehrsunfall auf der A67 im Bereich Pfungstadt. Die fiktive Schadenslage wurde bestimmt durch einen Massenanfall von Verletzten.

Gesamtübungsleiter Kreisbrandinspektor Ralph Stühling und Landrat Klaus-Peter Schellhaas bedankten sich bei allen Teilnehmern der Übung für ihr Engagement in den sehr frühen Morgenstunden.

Pressegruppe DA-DI

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